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  • Tommaso Speccher

Das Mahnmal an die ermordeten Juden Europas


By Marco Pavan


Eines der Themen, das täglich im Leben der Stadt nachhallt, für Berliner und Touristen gleichermaßen, ist das Thema "Erinnerung". "Erinnern"; "Erinnern, um nicht zu vergessen"; "Erinnern, um die Gegenwart zu gestalten": Dies sind einige der Aussagen, die man oft von Stadtführerinnen, Lehrerinnen oder einfachen Besuchern hört, die durch die Straßen der Innenstadt schlendern.


Die Landkarte Berlins ist übersät mit Orten, Spuren und Ruinen einer Vergangenheit, die immer zu wachen scheint und darum bettelt, gehört, verstanden und diskutiert zu werden. Unter all diesen Orten gibt es einen, der deutlich und bewusst prägnanter ist als andere: das Denkmal für die ermordeten des Holocaust, entworfen vom amerikanischen Architekten Peter Eisenman.


Das Mahnmal besteht aus einer imposanten Masse von 2711 Betonstelen, die in regelmäßigen Abständen in geordneten Reihen angeordnet und von allen Seiten zugänglich und durchquerbar sind. Diese stilistische Wahl ist nicht nur das Ergebnis der architektonischen Sprache des Dekonstruktivisten Eisenman, sondern auch die Widerspiegelung einer epochalen und befremdlichen Schwierigkeit, sich mit dem Holocaust und der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas auseinandersetzen zu müssen, die sich in der außergewöhnlichen Erfahrung der Durchquerung des Mahnmals selbst widerspiegelt.


Bereits Mitte der 1980er Jahre, noch mitten in der so genannten "Ära Kohl", gab es Überlegungen, einen Ort zu schaffen, der als Mahnung und Erinnerung an die Katastrophen der nationalsozialistischen Diktatur dienen sollte. Das Projekt Eisenamn ist somit das Ergebnis einer fast zwei Jahrzehnte währenden politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.


Die Gedenkstätte, die so imposant im Zentrum der Stadt steht und von einem Lernzentrum unterstützt wird, das in seinem unterirdischen Teil unbedingt besucht werden muss, hat eine doppelte Funktion. Einerseits stellt sie das allgemeine und erdrückende Gefühl der Orientierungslosigkeit in den Mittelpunkt des politischen Lebens der deutschen Hauptstadt, andererseits provoziert sie eine Form der Selbstanalyse und Reflexion über die zerstörerische, aber auch symbolische Größe des Holocaust für unsere heutige Welt.


Diese Doppelfunktion des Mahnmals, das zum Erinnern anregt und gleichzeitig beim Betrachter ein Fragezeichen in Bezug auf die Gegenwart hervorruft, ist der eigentliche Schwerpunkt von Eisenmans Installation und macht sie zu etwas absolut Neuem in der heutigen europäischen Gedenkstättenlandschaft.


Neugierde:

Man hört oft, dass die Zahl der Stämme zufällig ist und keine bestimmte Bedeutung hat: tatsächlich sind 2711 die Seiten des babylonischen Talmuds und obwohl Eisenman sich nie ausdrücklich darauf bezieht, es ist schwer vorstellbar, dass dies rein zufällig ist!

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