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  • Karin Gambaracci

Das Geheimnis des Checkpoint Charlie


By Marco Pavan


Einer der beliebtesten Orte für Touristen in Berlin ist sicherlich der Checkpoint Charlie. Ein Ort, der eine starke Anziehungskraft auszustrahlen scheint, aber heutzutage wirkt er ein bisschen wie ein Miniatur-Disneyland. Es gibt praktisch nichts Originelles mehr an ihm, trotzdem drängen sich immer noch Touristen in der Friedrichstraße vor der Nachbildung einer Checkpoint-Baracke und lassen sich mit jungen Männern fotografieren, die als amerikanische oder russische Soldaten verkleidet sind. Aber warum?


Der Checkpoint Charlie war einer von vielen Kontrollpunkten zwischen den verschiedenen Sektoren der Stadt. „Charlie“ ist kein Name, sondern eine Anspielung auf das militärische Alphabet: Alpha, Bravo, Charlie. Checkpoint Charlie war also der dritte Kontrollpunkt, der im Militärsystem der vier Mächte für Ausländer reserviert war. Westdeutsche konnten ihn nicht benutzen und überquerten die Grenze zum Beispiel am Bahnhof Friedrichstraße oder an der Oberbaumbrücke.


Warum also ist dieser Kontrollpunkt in die Geschichte eingegangen? Für ein Bild. Man muss nur ein wenig Didi-Huberman lesen, um die überwältigende Kraft der Entstehung, Verbreitung und Verankerung von Bildern in unserer heutigen Welt zu verstehen.


By Marco Pavan


Das Bild, von dem ich spreche, ist das Foto der amerikanischen und russischen Panzer, die sich tagelang genau am Checkpoint Charlie gegenüberstanden. Was war geschehen? Die Abkommen zwischen den Alliierten und der Sowjetunion sahen vor, dass sich die Soldaten der vier Mächte innerhalb der Stadt frei bewegen konnten, ohne irgendeinen Kontrollpunkt passieren zu müssen. Als im Oktober 1961 ein amerikanischer General den Checkpoint Charlie passieren wollte, um mit seiner Frau ins Theater zu gehen, wurde ihm dies von den Russen verweigert.


Es war ein Spiel der Stärke. Die Russen hatten bereits mehrfach versucht, die Alliierten unter Druck zu setzen, so zum Beispiel 1948, als sie alle Zufahrts- und Versorgungswege nach West-Berlin blockierten. Kurzum, die Situation eskalierte und am Checkpoint Charlie standen sich feindliche Panzer gegenüber. Tagelang.


Es war ein epochales Bild, denn es symbolisierte die Spannungen der ganzen Welt, die zwischen Amerika und Russland schwankte. Eine Welt, die Angst vor diesem kalten Krieg hatte, der jeden Tag hätte ausbrechen können. Ein Krieg, der im wahrsten Sinne des Wortes... atomar gewesen wäre.


Und so können wir den heutigen Checkpoint Charlie verstehen. Diese fast mystische Anziehungskraft eines Ortes, der heute kommerziell und touristisch ist... aber immer nur bis zu einem gewissen Punkt. Neben dem gefälschten Kontrollhäuschen wurden nämlich dank eines Kunstprojekts zwei Fotografien installiert. Von Osten aus betrachtet, sieht man einen amerikanischen Soldaten, der kaum mehr als ein Junge ist. Auf der anderen Seite ein russischer Kollege. Beide sind unsichere Wächter, angespannt, wartend.


Das ist die Macht der Bilder.


By Marco Pavan

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